Insektenschutzstreifen: Ungemähte Streifen im Grünland stehen lassen

Das Bergische Land hat einen extrem hohen Anteil an Grünlandflächen, die regional oft innerhalb einer kurzen Zeitspanne bei gutem Wetter gemäht werden. Dann bleiben oft nur Böschungen, Hänge oder vernässte Bereiche für Insekten stehen. Mit dem Projekt „Ungemähte Streifen im Grünland“ möchten die Partner und Unterstützer der Modellregion nach der Mahdzeit einen Rückzugsort für Insekten und Tiere schaffen und einen Beitrag zur Strukturvielfalt leisten. 

Beim nächsten Schnitt wird dieser Streifen wieder mitgemäht, dafür bleibt an anderer Stelle ein neuer Streifen stehen. Hierdurch wird einer zu starken Fehlentwicklung, beispielsweise durch eine Ausbreitung von Breitblättrigem Ampfer, auf der Fläche entgegengewirkt. Diese Streifen sind sowohl im ersten Grassilageschnitt hilfreich, als auch in später gemähten Heuwiesen.

 

Fördermöglichkeiten

Seit 2020 finanziert der Rheinisch-Bergische Kreis aus von den Kreishaushalten zur Verfügung gestellten Mitteln mit 50 € pro 100 Meter die 5 Meter breiten Streifen.

 

Frau Blumenthal von der Biologischen Station Rhein-Berg organisiert die Beantragung der Streifen (02205 / 94 98 94 12).

Antrag zur Förderung (2021)
Antrag zur Förderung von Insektenschutzstreifen im bewirtschafteten Grünland (2021)
Antrag Insektenschutzstreifen im RBK.pdf
PDF-Dokument [412.9 KB]

 

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Modellregion Landwirtschaft und Naturschutz wurden Plakate entworfen, die die Möglichkeiten des Vertragsnaturschutzes beschreiben und zeigen, dass Landwirte sich im Bergischen Land für Natur- und Umweltschutz einsetzen.

 

Falls Sie bei einem Ihrer Schnitte auch einen Streifen stehen lassen wollen oder auch beim Vertragsnaturschutzprogramm mitmachen und mit einem Plakat auf Ihrer extensiven Wiese oder Weide an unserer Aktion teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte bei der Biologischen Station in Rhein Berg (02205 - 94 98 94 12).

 

Plakat "Ungemähte Streifen im Grünland"

Plakat "Vielfalt durch artenreiches Grünland"

 

Warum ist ein ungemähter Streifen wichtig für Insekten?

  • Viele Insektenarten der Wiese haben eine mehrwöchige Larvenentwicklungszeit, in der sie nicht fliegen können und insgesamt durch Häutungen bzw. Puppenphase unbeweglich sind. Daher können sie den Mähfahrzeugen nicht entfliehen und überleben die Erntegänge meist nicht.
  • In dem ungemähten Streifen können sie zwischen/an den Halmen überleben und ihn weiter für die Jugendentwicklung nutzen.
  • Daneben sind aber auch in den Vielschnittwiesen immer wieder einzelne blühende Pflanzen vorhanden, die den pollen- und nektarsammelnden Arten als Futter dienen. In den artenreichen Wiesen ist dies natürlicherweise noch viel stärker der Fall. Auf diese Weise bleiben in dem ungemähten Streifen auch zur Hauptmahdzeit des Heus noch Blühpflanzen stehen.

 

Nicht nur ungemähte Streifen im Grünland sondern artenreiches Grünland insgesamt dient vielen Insekten als Nektarquelle, durch den Reichtum an Kräutern. Aber auch die verschiedenen Grasarten sind wichtiges Raupenfutter. Hierbei spielen Mähwiesen, die im Rahmen des Vertragsnaturschutzprogramms frühestens ab dem 15. Juni gemäht werden, eine wichtige Rolle. Aber auch auf Weiden mit einer geringen Besatzdichte können viele kleine Bereiche entstehen, die Tieren und Pflanzen als Rückzugsort dienen.

 

Warum ist eine Weidefläche wichtig für Insekten?

Weideflächen bieten durch das unterschiedliche Wuchsbild vielen Insekten einen Lebensraum:

  • An Geilstellen (Stellen, an denen die Weidetiere Dung abgesetzt haben und die danach vom Vieh gemieden werden) bleiben höherwüchsige Strukturen erhalten. Auch ein Kuhfladen selbst bietet Lebensraum - nicht nur für Fliegen!
  • Die Vegetation im Zaunbereich wird gefressen, ohne dass Dünger dorthin gelangt. Dadurch entstehen sehr nährstoffarme Bereiche, die von speziellen Arten besiedelt werden. Hier findet man seltenere Pflanzen, wie Rundblättrige Glockenblume, Heilziest oder Zittergras.
  • Auch in diesen Randbereichen sollte nicht die gesamte Fläche gleichzeitig gemulcht (d.h. zerkleinern und liegen lassen) werden, sondern auch Streifen stehen gelassen werden. Am besten werden nur die Problembereiche mit unerwünschten Pflanzen nachgemäht und der Rest bleibt unberührt.
  • Allgemein ist das Nachmähen insektenfreundlicher als das Mulchen, bei dem alles (auch die Insekten) zerschlagen wird. Daneben spart das Mähen auch Kraftstoff.
  • Ideal wäre hier ein Balkenmäher oder Doppelmesserbalkenmäher, bei deren Einsatz die wenigsten Insekten umkommen, da es nicht zu starken Verwirbelungen wie bei den rotierenden Scheiben- oder Trommelmähern kommt.

Biologische Station Rhein-Berg
Kammerbroich 67
51503 Rösrath


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